Die Neinsager sagen nein.

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dazu etwas schreiben soll. Mein Blog war bisher eine politikfreie Zone, obwohl ich ein sehr politikinteressierter Mensch bin. Doch die Ereignisse der letzten Tage, haben mich doch dazu gebracht, freimütig sagen zu können:

Die Grünen gehen mir auf den Sack! Entschuldigung für diese unflätige Ausdrucksweise.

Versteht mich nicht falsch, hier schreibt kein ewiggestriger CSUler oder Zahnarztsohn, der schon seit Generationen sein Kreuzchen bei der FDP macht. Nein, ganz und gar nicht! Bei den bisher von mit miterlebten Wahlen, darunter drei zum Bundestag, verteilte ich auch schon das eine oder andere Kreuz an die Grünen. Sie sind allerdings nicht meine Stammpartei, das muss ich zugeben.

Angefangen hat alles mit den Protesten gegen den neuen Bahnhof in Stuttgart. Dort versuchen sie derzeit einen durch alle demokratischen Instanzen gegangenen Bau des Durchgangsbahnhofs zu stoppen und so den ihren Augen besseren Vorschlag, die Renovierung des Kopfbahnhofs, zu ermöglichen. Dabei spielen sie sich als wahre Stimme des Volkes auf, die  „denen da oben“ endlich zeigt was „wir“ wollen und haben dabei das schwäbische Bürgertum hinter sich, das wohl lieber verkehrstechnisch im 20. statt im 21. Jahrundert bleiben möchte. Die Bionade-Bourgeoisie klebt am Istzustand. Technischer Fortschritt? Ja bitte. Aber macht dabei doch bitte keinen Dreck und lasst die Bäume stehen.

Übrigens bin ich in BaWü auch von der SPD enttäuscht, denen jetzt bei ein bisschen Gegenwind auffällt, dass man vielleicht doch einen Volksentscheid über den Bahnhof abhalten sollte. Nach 15 Jahren Planung und unzähligen Gerichtsbeschlüssen. Populismus statt parlamentarische Demokratie. Aber das nur am Rande.

Jetzt hatten die Grünen also letztes Wochenende Parteitag und haben mal wieder ein Glanzstück abgeliefert. In zwanzig Minuten wurde von den Anwesenden über das Thema Olympia 2018 in München das Todesurteil gefällt. Politiker aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen maßten sich in dieser kurzen Zeit an darüber zu urteilen, ob die Austragung des Olympischen Winterspiele in Südbayern mit grünen Grundsätzen vereinbar ist. Die jahrelangen Vorbereitungen der Bewerbung, die auch von den Grünen im Münchener Stadtrat unterstützt wird, wurden ignoriert. Die Bitten der mir normalerweise zu schrillen Claudia Roth, man könne besser für grüne Interessen eintreten, wenn man aktiv an dem Projekt mitarbeitet, wurden ignoriert. Die Fortschritte der letzten Wochen beim Thema Umweltschutz und die weitgehende Verständigung mit den Bauern in Garmisch-Partenkirchen, Stichwort Stieranger, wurden ignoriert. Roth muss nun das Olympia Konsortium verlassen.

Vielleicht sollten die Olympiaverweigerer einmal darüber nachdenken, was die Olympischen Spiele 1972 der Stadt München gebracht haben: den wunderschönen Olympiapark und eines der besten Nahverkehrsnetze Europas. Die Deutschen waren 27 Jahre nach ’45 nicht mehr die bösen Nazis, sondern fröhliche, freundliche Menschen, die einen amerikanischen Juden beim Gewinn von sieben Goldmedaillen feierten.

Aber all das zählte vergangenes Wochenende in Freiburg nicht. Man konnte mal endlich wieder dagegen sein. In der Opposition lebt es sich halt am leichtesten.

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Wer das Ganze etwas journalistischer haben möchte, liest bitte den Kommentar aus der Montagsausgabe der Süddeutschen. Zum Lachen gibt es etwas aus dem Münchener Merkur: ein Interview mit dem Grünen, der auf dem Parteitag die Olympiaunterstützung zu Fall brachte.

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Veröffentlicht in München, Zeitgeschehen

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