Für einen kühlen Kopf.

Es gab einen lauten Knall, als mir die Kinnlade auf den Boden krachte. „Der Klimakompressor ist defekt. Das Neuteil und der Einbau kosten zusammen 1200€„, meinte der Werkstattmeister zu mir. Vor zwei Stunden habe ich mein Auto zu ihm gebracht, da die Klimaanlage statt der erhofften und im Sommer dringend benötigten kalten nur noch warme Luft ausstieß.

Ich überlegte kurz und entschied mich dann, den Wagen ohne Reparatur wieder mit nach Hause zu nehmen. 1200€ entsprechen immerhin gut der Hälfte des Restwertes meiner Kiste.

Was ist denn überhaupt kaputt?„, fragte ich noch, bevor ich vom Hof fuhr. Der Meister öffnete die Motorhaube und zeigte auf den Klimakompressor: „Dort hat sich eine Mutter gelöst und ein Teil der Magnetkupplung ist abgefallen. Die gibt’s aber nicht einzeln, wir müssten das ganze Teil tauschen.

Na super, wegen einer abgefallenen Mutter, die nicht mal durch einen Splint gesichert war, sollte ich jetzt 1200€ für einen komplett neuen Klimakompressor zahlen. Das ist wohl auch eine Sollbruchstelle im Auto, mit der die Werkstätten Unmengen an Geld verdienen.

Die nächsten Wochen gurkte ich bei sommerlicher Hitze mit offenen Fenstern durch die schwäbische Landschaft. Nur auf der Autobahn wurden die Fenster geschlossen und der Fahrgastraum ähnelte dann schnell einer finnischen Dampfsauna. Das war nicht nur unkomfortabel, sondern mir auch unangenehm gegenüber meiner Fahrgemeinschaft.

So kann es nicht bleiben, beschließe ich. Im Motorraum mühsam die Teilenummer des Klimakompressos notiert, fand ich nach kurzer Suche in dem Internetauktionshaus für billiges Geld genau das Ersatzteil, das ich brauchte. Gebot abgegeben, einziger Interessent, gekauft. Drei, zwei, eins, endlich wieder kühler Kopf.

Da gutes Timing alles ist, haben meine Nachbarn vor kurzem ein Baby bekommen, sitzen also zu Postbotenzeiten oft zu Hause und konnten wenige Tage später mein aus Brandenburg, im wahrsten Sinne des Wortes, heiß erwartetes Paket annehmen, ohne dass ich abends noch auf die Post latschen musste.

Nachdem ich den Schraubenschlüssel und die Ratsche aus dem Küchenschrank geholt habe, werden die neuen Teile schnell von mir eingebaut, wider Erwarten funktioniert alles auf Anhieb. Ich habe mehr als einen Tausender gespart und kann wieder mit kühlem Kopf durch’s Schwäbische brausen.

Und mir wurden mal handwerkliche Fähigkeiten abgesprochen. Pah!

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Veröffentlicht in Leben, Stuttgart, Technik

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